Die Zirrhose ist das Endstadium schwerer Lebererkrankungen, gekennzeichnet durch eine Umstrukturierung des Organs: die normale Lebertextur wird durch fibröses Gewebe ersetzt und die Leberzellen gehen zurück, wodurch die Funktionen der Leber allmählich verloren gehen. Zu den wichtigsten Merkmalen der Zirrhose gehören die Einbeziehung der gesamten Lebertextur in den pathologischen Prozess, die Störung ihrer lobulären Struktur sowie die portale Hypertonie.
Zirrhose kann Menschen jeden Alters betreffen; am häufigsten erkranken jedoch Personen im Alter von 35 bis 55 Jahren. Männer sind häufiger betroffen, was mit dem größeren Anteil alkoholischer Zirrhosen zusammenhängt.
Die Zirrhose ist eine multikausale Erkrankung, das heißt, es können verschiedene Auslöser vorliegen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
Als Ursachen der Zirrhose können zudem verschiedene Formen kardiovaskulärer Pathologien, Autoimmunprozesse, Stoffwechselstörungen (Fettleber), Hämochromatosen sowie andere sekundär bedingte Erkrankungen gelten; hinzu kommen spezifische Infektionen wie Syphilis oder das Malta-Fieber. Ferner existieren Zirrhosen, deren Ätiologie nicht aufgeklärt werden kann
Je nach Ursache ist die Zirrhose entweder eine primär selbstständige Pathologie oder sie entwickelt sich als Folge eines weiteren Symptoms einer allgemeinen Erkrankung, wie beispielsweise bei Diabetes mellitus oder Syphilis
Nach den morphologischen Merkmalen unterscheidet man:
Je nach Aktivität des Krankheitsverlaufs kommen die floriden und inaktiven Zirrhosen vor.
Je nach Art der Knoten:
Im langdauernden Prozess unterscheiden sich folgende Stadien der Zirrhose:
Die Zirrhose entwickelt sich über Monate oder Jahre. Der Grad der klinischen Manifestationen hängt vom Stadium der Zirrhose sowie von der Aktivität des Prozesses ab; frühe Symptome bleiben oft unbemerkt, insbesondere vor dem Hintergrund bestehender Pathologien.
Zu den frühen Symptomen gehört das asthenische Syndrom: erhöhte Erschöpfbarkeit, allgemeines Unwohlsein, Schwäche, Konzentrationsstörungen und Appetitverlust. Typisch hervortretende Zeichen sind Ikterus, Hautjucken, Palmarerythem (Rötung der Handflächen), periodisches Fieber, Übelkeit, Oberbauchschmerzen, Sättigungsgefühl nach kleiner Nahrungsmenge, Gewichtsverlust sowie eine Neigung zu Infektionen. Als Kennzeichen gelten zudem die sichtbare Vergrößerung und Induration der Leber; manchmal lässt sich durch Palpation sogar ihre dichte knotige Struktur erkennen.
Ein weiteres Symptom ist die Aszites (Bauchwassersucht), bedingt durch Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle, sowie eine sichtbare Vergrößerung des Bauches infolge signifikanter Gewichtsabnahme.
Je nach Prozessverlauf treten Symptome auf, die durch Portalhypertonie verursacht werden: Venenzeichnung am Körper, Nasenbluten und Hämorrhoiden (die Behandlung muss geregelt werden). Im progressiven Stadium zeigen sich Müdigkeit und dunkler Urin; im Gegensatz dazu wird der Stuhl heller.
Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, klinisches Bild sowie laborchemische und bildgebende Verfahren. Besonderheit ist, dass biochemische Parameter oft langanhaltend signifikante Abweichungen von der Norm zeigen können.
Zur Anwendung kommen folgende bildgebenden Methoden:
Bei zweifelhaften Fällen wird eine laparoskopische Untersuchung durchgeführt.
Die Behandlung der Zirrhose sollte fließend und unverzüglich erfolgen, doch die zirrhotischen Veränderungen in der Leber sind irreversibel. Ein Ziel der Behandlung ist die Aufrechterhaltung einer akzeptablen Lebensqualität des Patienten sowie das Unterbrechen des Fortschreitens der Erkrankung.
Die Behandlung der Zirrhose beginnt mit der Beseitigung des schädigenden Hauptfaktors, wenn dies möglich ist (zum Beispiel durch vollständige Abstinenz von Alkohol). Im Stadium der akuten Erscheinungen ist Bettruhe notwendig; im weiteren Verlauf sollten körperliche Belastungen schonend sein. Die grundlegenden Prinzipien der Behandlung sind die Diättherapie und die Normalisierung des Lebensstils.
Die Diät bei Zirrhose beinhaltet eine Einschränkung von Eiweißnahrungsmitteln; tierische Proteine werden durch pflanzliche ersetzt, wobei ein- bis zweimal pro Woche eine proteinreiche Ernährung erlaubt ist. Der Salzverbrauch sowie der Konsum von Nahrungsmitteln, die Backpulver enthalten, ferner fetthaltige Speisen und Konserven sind zu beschränken. Die Ernährung sollte in kleinen Portionen erfolgen, 5–6-mal täglich.
Die Pharmakotherapie der Zirrhose umfasst die Anwendung von Medikamenten, die zur Kompensation bestehender Störungen führen (zur Reduktion des Verschlechterungsrisikos und zur Senkung der Prozessaktivität) sowie zur symptomatischen Behandlung. Bei mechanischen Obstruktionen wird die chirurgische Beseitigung des Hindernisses durch Steinentfernung oder Stenoserevision angewendet; bei Blutungen aus erweiterten Magenvenen und der Speiseröhre im Stadium der Subkompensation kommt zusätzlich eine operative Intervention zum Einsatz.
Bei inaktiver Zirrhose wird eine Kurbehandlung empfohlen, bestehend aus ein- bis zweimal jährlich durchgeführten allgemein kräftigenden Therapiekursen sowie einer regelmäßigen ärztlichen Beobachtung.
Die Prognose hängt vom Stadium der Zirrhose und von der Aktivität des Prozesses ab, ebenso davon, wie ernsthaft sich der Patient zur Behandlung der Zirrhose und zur Beachtung der Diät verhält. Bei disziplinierter Haltung des Patienten und inaktiver Prozessaktivität lässt es sich relativ früh im Verlauf über viele Jahre erreichen, die Zirrhose im Stadium der Kompensation zu halten; bei florider Zirrhose im Stadium der Subkompensation sowie bei dekompensierter Zirrhose ist die Prognose ungünstig.
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